Das Armbruster Haltabzeichen

Fast alle Hunde hetzen hinter sich bewegenden Gegenständen her. Das gilt insbesondere für flüchtende Lebewesen wie Hase und Reh.

Fast alle Hunde hetzen hinter sich bewegenden Gegenständen her. Das gilt insbesondere für flüchtende Lebewesen wie Hase und Reh. Diese Verhaltensweisen gehören zum Jagdverhalten (Suchen – Finden – Hetzen – Greifen – Töten – Fressen). Durch die Verwendung einer Reizangel , bei der ein Gegenstand in Bewegung versetzt wird, wird dieses Verhalten geweckt bzw. gefördert. Bisweilen stellen sogar die flatternden Hosenbeine eines Fahrradfahrers für einen Hund eine Beute dar.

Als Jäger freuen wir uns über den Folgedrang unserer Hunde, denn wir benötigen ihn um Beute zu machen. Allerdings ist in unserer von Straßen zerschnittenen Landschaft zusätzlich eine Bremse für viele Hunde lebenserhaltend. Auch im Jagdbetrieb sollen insbesondere Vorstehhunde i. d. R. Wild nur kurz anhetzen und sich abpfeifen lassen.

Herr Armbruster war ein amerikanischer Jagdgebrauchshundeführer. Das deutsche Jagdgebrauchshundewesen faszinierte ihn. Er war davon überzeugt, dass Jagdhunde einen Folgewillen haben aber auch lenkbar sein müssen. Aus dieser Überzeugung heraus stiftete er einen Preis für die Hunde, die dies im Prüfungsbetrieb unter Beweis stellten – das Armbruster Haltabzeichen (AH). Dies beinhaltet, dass ein Hund bei der Suche auf einer Prüfung an jedem Hasen gehorsam ist, obwohl der Hundeführer dabei min. 20 m entfernt ist und nach dem Außer-Sicht-Kommen des Hasen eine Spurarbeit leistet, die mindestens mit dem Prädikat „Gut“ bewertet werden kann. Des weiteren soll sich der Hund von der Verfolgung jedes weiteren Hasen auf dieser Prüfung abhalten lassen. Das Hinlegen des Hundes ist nicht zwingend erforderlich, es reicht, wenn der Hund stehen bleibt.

Der erste Baustein ist also der Gehorsam: Der Hund muß das Kommando „Platz“ beherrschen. Nach Erkenntnissen der Abteilung Tierschutz der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist dies erst nach 1.500 bis 2.000 Wiederholungen der Fall. Anfangs kann dies spielerisch mit dem erst 4 Monate alten Hund geübt werden: Dabei wird der Hund mit Hilfe eines Leckerlis motiviert, unter einem ca. 20 cm hoch gehaltenem Unterarm zu krabbeln. Die Phase des regungslosen Liegens währt hierbei nur einen Bruchteil einer Sekunde. Dieser Moment wird immer weiter verlängert. Wenn dies klappt, entfernt sich der Hundeführer mit Blickkontakt zum Hund während dieser liegt und kehrt jedes Mal zum Hund zurück, um diesen abzuholen. Eine weitere Steigerung ist die Unterbrechung des Blickkontaktes zwischen Hund und Hundeführer bzw. der Zeitabschnitt, in der der Hund liegt. Sobald das Kommando hinreichend gefestigt ist, werden Ablenkungen eingebaut. So kann beispielsweise ein Gegenstand unter Zuhilfenahme der Reizangel am liegenden Hund vorbeigezogen werden. Später wird das Kommando eingefordert, wenn der Hund hinter der Reizangel her hetzt oder der Hund in einer Spielsituation ist.

Achtung: Je konzentrierter das „Platz“ geübt wird, desto mehr leidet der Durchhaltewille auf der Hasenspur darunter!

Nun sollte diese Gehorsamsübung mit Wildwitterung verzahnt werden. Zu diesem Zweck setzen wir den an der Feldleine befestigten Hund auf der Spur eines abgelaufenen Hasens an. Während der Spurarbeit, deren Verlauf wir kennen, wird der Hund abgelegt. Dies kann geschehen, wenn wir einen Graben / Zaun überwinden müssen. Der Hund, der wiederholt während Spurarbeiten kurz abgelegt wird und danach weiter arbeiten darf, empfindet das „Platz“ nicht als einen Abbruch der Arbeit, sondern nur als Unterbrechung. Deshalb wird er eher geneigt sein, unserem Kommando Folge zu leisten.

Die o. g. Ausführungen beinhalten einen relativ hohen Arbeitsaufwand, der im günstigsten Fall zu einem Armbruster-Halt-Leistungszeichen führt, sondern das Gespann aus Hund und Hundeführer enger zusammenschweißen und sicher für den Jagdbetrieb machen soll.

Jeder Hundeführer sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein „AH“ längst keine Garantie für den sicheren Gehorsam am Wild darstellt. Bei jedem Wildkontakt müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, u. a. :

  • Entfernung Wild – Hund, Hund – Hundeführer (je näher der Hundeführer am Hund ist und je größer die Entfernung zw. Wild und Hundeführer ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Hundeführer den Hund halten kann)
  • Körperliche und mentale Verfassung des Hundes (der Hund, der zuvor durch Suchengänge und / oder Apportarbeiten gefordert war, wird sich eher halten lassen)
  • Konzentration / Reaktionsgeschwindigkeit des Hundeführers (der Hund spürt, ob sein Hundeführer konzentriert mitjagt . Wenn nicht, nutzt er gerne die Gelegenheit zu einer Hetze)
  • Verhalten des Wildes (Der Hase, der 15 m hinter seiner Sasse verhofft, verleitet den Hund zur Verfolgung)

Jedem Hundeführer, der sich der anspruchsvollen Aufgabe der Abführung eines Jagdgebrauchshunds stellt, sei das Quentchen Glück beschieden, dass immer mit erforderlich ist. Horrido!