Nachsuchenstation
Auf der 10. Vertreterversammlung der Jagdkynologischen Vereinigung Niedersachsen am 01.02.09 berichtete Chris Balke, der seit 13 Jahren die einzige hauptamtliche Nachsuchenstation in der Bundesrepublik im Kreis Herzogtum Lauenburg leitet, über die Organisation und seine Tätigkeit in der Nachsuchenstation.
In dieser Jägerschaft werden auf 126.000 ha, die fast ausschließlich genossenschaftliche und Eigenjagdbezirke sind, jährlich ca. 10.000 Stücke Schalenwild erlegt. Zu Beginn der Arbeit der hauptamtlichen Nachsuchenstation übernahm die Jägerschaft alle Kosten für die Dauer von 3 Jahren. Danach sollte sich die Arbeit von Herrn Balke selbst tragen. Diese Rechnung ging nicht auf und so wurde 1997 ein Förderverein gegründet, bei dem jeder Jagdbezirk 0,50 DM (heute 0,26 €)
je Hektar einzahlt. Heute sind etwa Zweidrittel der Gesamtfläche Mitglied im Förderverein.
Die Jägerschaft zahlt heute einen Zuschuss von 25.000,- € und trägt die gesamten Kosten für das Fahrzeug, dass jährlich rund 70.000 km zurücklegt. Für eine Anschusskontrolle werden 15 € berechnet, bei einem Nachsuchenerfolg von Rehwild und Sauen unter 50 kg werden 25 € in Rechnung gestellt, für Sauen von mehr als 50 kg wird eine Gebühr von 40 € erhoben. Nichtmitglieder des Fördervereins zahlen zusätzlich Fahrtkosten.
Herr Balke beziffert sein monatliches Einkommen mit 1.200 € . Er ist über die Jägerschaft bei der Berufsgenossenschaft versichert. In 13 Jahren führte er mit insgesamt 34 Hunden 5.500 Nachsuchen durch. Im Jagdjahr 2007 führte er 435 Nachsuchen durch, von denen 149 erfolgreich waren. In 38 Fällen ergab sich eine Fehlsuche, d. h. trotz Schweiß konnte das Stück nicht gefunden werden.
Herr Balke gab zu Bedenken, dass in 10 % aller Schalenwildabschüsse mit einer Nachsuche zu rechnen ist. Jeder Hundeführer sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten selbst nachsuchen unter der Berücksichtigung jagdpraktischer Erfordernisse:
– Die Nachsuche beginnt immer am Anschuss
– Von nächtlichen Nachsuchen ist immer Abstand zu nehmen.
– Der Anschuss soll immer gekennzeichnet werden, Knochensplitter und Wildpretfetzen und dergl. sollte sichergestellt werden.
– Schweißarbeit ist immer zunächst Riemenarbeit
– Der letzte Schweiß soll gekennzeichnet werden.
– Alle arbeitenden Hunde sollten Warnwesten tragen (Schutz vor Schwarzwild, Sicherheit im Straßenverkehr)
– Bei 2 stellenden Hunden am Stück keinen Fangschuss abgeben (Gefährdung der Hunde)
– Nicht Abnicken, sondern Kammerstich oder Kälberstich durchführen
Häufigste Fehlerquellen für das Scheitern der von ihm durchgeführten Nachsuchen:
– trotz gegenteiliger Aussage war zuvor ein anderer Hund zur Freiverlorensuche eingesetzt worden, klassische Ausrede: "Der Hund hatte sich losgerissen..."
– Nächtliche "Wanderungsbewegungen" im Bestand vertrampeln die Wundfährte
– Dem Stück wurde nicht ausreichend Zeit zum Krankwerden gegeben
Abschließend unterstellte Balke, der regelmäßig in unterschiedlichen jagdlichen Gremien aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz berichtet, den meisten Jägern eine hohe Beratungsresistenz. Seiner Einschätzung nach liegt die Bereitschaft zu Verhaltensänderungen bei unter 1 %.

