Amadus Ahfl: Anmerkungen und Gedanken zur Zucht
Herr Ahlf (Jahrgang 1923) war über 45 Jahre Verbandsrichter, Zuchtwart bei DL, hat selbst 31 Würfe gezogen und ist aktiver Jäger. Die folgenden Denkanstösse sind im Wesentlichen einem Vortrag entnommen, den er vor der DL Gruppe Nord gehalten hat:
"Ich war Züchter mit viel Leidenschaft und viel Idealismus, habe alle Höhen und Tiefen eines Züchters erlebt. Zu den Tiefen: Es sind mir zwei Hündinnen bei der Geburt mit Kaiserschnitt aus der Narkose nicht wieder aufgewacht. Und trotzdem habe ich weiter gemacht. Ich war nicht Züchter um meteriallen Gewinn zu haben. Bei meiner ganzen Tätigkeit als Hundemann habe ich finanziell nicht gerade zugesetzt, aber unterm Strich auch keinen Gewinn gemacht.
Der hohe Leistungsstandard unserer Hunde ist nicht zuletzt auf die strenge Selektion zurückzuführen, die unsere Altvorderen durchgeführt haben. Davon profitierem wir auch heute noch.
Was ist eigentlich Züchen? Züchten ist, den Standart, die Qualität der Rasse - also auch der eigenen Hunde zu verbessern. Hundevermehrung ist kein Züchten, wir sind ein Rassehundverein und kein Verein zur Vermehrung von Hunden.
Jagdhunde, deren züchterische Verwendung in Erwägung gezogen wird, sollten sich im Jagdbetrieb bewährt haben. Dabei ist die Art von besonderer Bedeutung, wie sich ein Gespann präsentiert. Dazu gehört insbesondere ein ruhiges, ausgeglichenes Wesen, d. h. eine Verträglichkeit mit anderen Hunden und Menschen, Standruhe, aber auch auch jagdliche Eigenschaften wie Passion am Wild, Spurarbeiten (Vbr), Härte am Raubwild und eine Widerstandsfähigkeit gegenüber schwerem Gelände wie Brombeeren und Schilf.
Der Züchter sollte durch gewissenhafte vorherige Überlegungen seine heiße Hündin nicht einem x-beliebigen Rüden zuführen und so Zufallsprodukte erzeugen. Nach Absprache mit dem zuständigen Zuchtberater sollte die Verpaarung mit einem passenden Rüden stattfinden. Dabei sollte bei der Auswahl des Rüden die persönliche Meinungsfreiheit nicht zu sehr eingeengt werden.
Eine Verpaarung zu machen mit einem Rüden (Hund) aus der Nachbarschaft, ohne lange Überlegungen, ob Rüde und Hündin zum Züchten zusammen passen, das ist kein Züchten, das ist ganz einfach Hundevermehrung. Aber dennoch kann es sein, dass bei einer noch so gut geplanten Paarung ein Wurf zur Welt kommt, der zum Teil oder insgesamt nicht den erwarteten Vorstellungen entspricht.
Neuen Welpenbesitzern habe ich beim Kauf immer mit auf dem Weg gegeben, wenn der junge Hund kein Jagdhund wird, also züchterische Fehler hat, solle er mir den Hund zurückgeben. Aus dem nächten Wurf beköme er auf meine Kosten einen anderen Welpen. Das ist auch einige Male durchgeführt worden.
Die Erfolge meiner Zucht sind entstanden, weil ich bemüht war, Verbindungen mit hervorragenden Rüden herzustellen. Aus deren Nachkommen waren Hunde mit bedeutenden Namen. Selbstverständlich waren auch Hunde dabei, die nichts taugten.
Ich habe nicht gescheut, weite Wege und deren Kosten in Kauf zu nehmen. Für die Deckakte war ich in Aurich, Hermannsburg, Kassel, Worms, Nürnberg und Cham im Bayerischen Wald. Kosten entstanden für das Kilometergeld für zwei Personen, dann auch für zwei Personen Hotelübernachtungen und weitere Spesen. Dazu noch mein eigener Verdienstausfall und das Deckgelt, in einem Fall sofort Bargeld.
Mit einer leistungsschwachen Hündin sollte man nicht züchten. Hat man aber durch viel Führergeschick einen solchen Hund über alle Kriterien hinweg gebracht, die nötigen Prüfungen, Laut, Schärfe, Formbewertung, Röntgenbild, so wäre dieser Hund nach den Regularien zur Zucht tauglich, hat aber eine überwundene Macke. Dann sollte der Besitzer vor sich selbst ehrlich sein und auf das Züchten verzichten. Ich glaube, dass ich in meiner Tätigkeit als Zuchtwart von den Mitgliedern viel Vertrauen gehabt habe. So kamen die Mtiglieder des Vereins, die gerne hätten züchten wollen mit dem Anliegen, dass sie aufgrund negativer Tatsachen vom Züchten Abstand nehmen wollten. Das nenne ich Ehrlichkeit in der Zucht. Damit war aber nicht nur die Hündin, sondern auch der etwaige Züchter für die nächsten Jahre, wahrscheinlich für immer, verloren.
Nur die Ehrlichkeit der Züchter wird in Zukunft das Ansehen unserer Rassehunde erhalten und verbessern.
Abschliessend zum Züchten:
Züchten heißt Liebe zum Hund, züchterisches Einfühlungsvermögen, bei der Auswahl der Zuchtpartner Konsequenz, viel Idealismus und viel Glück zum Wohle der Rasse".
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